Bestandsaufnahme Ninfa

  • Auftraggeber
  • Deutsches Historisches Institut Rom (mit Unterstützung der Johannes Gutenberg Universität Mainz und der „Fondazione Roffredo Caetani“)
  • Inhalt
  • Archäologische und baudokumentatorische Aufnahme, Erstellung eines 3D-Geländemodells
  • Schlagwörter

Ninfa – Italien. 3D Bestandsaufnahme der mittelalterlichen Ruinen von Ninfa

In dem noch andauernden Projekt wurde die kleine mittelalterliche Stadt Ninfa, die in einer außergewöhnlich schönen Gartenanlage den berühmten „Giardini di Ninfa“ liegt, archäologisch und baudokumentatorisch aufgenommen.

Dabei wurde ein dreidimensionales Gesamt- und Detailmodell sämtlicher Mauern der außerordentlich gut erhaltenen Stadtanlage sowie ein übergreifendes 3D-Geländemodell von „Latium“ und der pontinischen Ebene erstellt.

In dem Multimedia-Trailer zu dem Projekt „Ninfa – Pompeij des Mittelalters“ erzählen wir geschichtliche Hintergründe der Anlage sowie den Vermessungsablauf vor Ort.

Nach verschiedenen konzeptionellen Planungen und Vorarbeiten wurde das umfangreiche Dokumentationsprojekt Ende 2011 begonnen. Für die umfassende 3D-Aufnahme kamen in Ninfa neueste dreidimensionale Vermessungstechnologien zum Einsatz. Die Arbeiten konnten in Italien vor Ort innerhalb 2 Wochen mit einem kleinen Vermessungsteam durchgeführt werden. Die grundlegende Datenverarbeitung erfolgte in unserer Zentrale in Regensburg.

Um eine effektive 3D-Dokumentation einer solch großen Anlage in 3D zu realisieren, mussten verschiedene Technologien miteinander gekoppelt werden. Dabei haben wir sehr hochaufgelöste 3D-Scans vom Boden mit Daten aus eigenen Befliegungen mit einem Ultraleichtfluggerät und einem Kamerakopter miteinander kombiniert.

Der Vorteil unseres kostengünstigen UL-Fluggerätes liegt in der leichten Transportierbarkeit, der einfachen Möglichkeit auf einer nahegelegenen Wiese zu starten und dem Potential, sehr langsam und niedrig zu fliegen und dadurch sehr hohe Auflösungen und Genauigkeiten für die luftgestützte Photogrammetrie zu erzielen. Zwei ergänzende Dokumentationsflüge mit dem Trike galten der nahegelegenen, mittelalterlichen Kulturlandschaft prägenden Klosteranlage von Abbazzia de Valvischiolo sowie der mittelalterlichen Stadt Sermoneta (siehe Titelbanner).

Gerade bei der Dokumentation der z.T. mit über 10m Höhe noch außerordentlich gut erhaltenen, mittelalterlichen Ruinen von Ninfa ist die Kombination derartiger photogrammetrischer Dokumentationsmethoden von besonderer Bedeutung. Als Herausforderung stellte sich die zum großen Teil immergrüne Vegetation der Gärten heraus, die auch im Winter mehrere Bereiche der Stadt überdecken.

Wir konnten deshalb zusätzlich eine neuentwickelte Octocopter-Drohne einsetzen, die eine Vielzahl von hochauflösenden Detailfotos in angepasster Höhe möglich machte. Sehr gezielt konnten so die mittelalterlichen Mauerstrukturen angeflogen und dokumentiert werden. Dabei lassen sich hochauflösende Detailinformationen, insbesondere zu den Fassaden, aber auch zu schwer oder gar nicht zugänglichen Bereichen gewinnen.

Für die verlässliche messtechnische Zusammenführung und Kombination aller erhobenen Daten kam ein terrestrischer 3D-Scanner, zusammen mit GPS und Totalstation zum Einsatz. Das in unserer 3D-Software aSPECT3D integrierte „3D Image Scan“ Modul erzeugt ergänzend aus digitalen Fotoserien dreidimensionale photorealistische Bestandsmodelle.

Für die großmaßstäbige Kartierung von Projektinformationen in Latium und den „pontinischen Sümpfen“ konnten wir zusätzlich aus Geo-Eye Satellitendaten ein grundlegendes 3D-GIS-Landschaftsinformationssystem aufbauen, in dem bereits während des Projektes auch weitere Details, wie z.B. historische Karten und andere Informationen georeferenziert verwaltet wurden.

An dem Projekt wird aktuell weiter gearbeitet. Wir planen zu einem späteren Zeitpunkt weitere Informationen vorzuhalten.

Ninfa – Pompeji des Mittelalters

Ninfa, zwischen Rom und Neapel gelegen, ist eine außergewöhnlich gut erhaltene Ruinenstadt des 14. Jhs. Ihre Besitzer, die alte römische Adelsfamilie der „Caetani“, legten im frühen 20. Jahrhundert rund um diese Ruinenstadt eine der schönsten romantischen Gartenanlagen im englischen Stil an. Diese wird heute von einer Stiftung verwaltet, gepflegt und entwickelt.

Im Jahre 2011 begann das Deutsche Historische Institut in Rom in Zusammenarbeit mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz mit der Untersuchung dieses einzigartigen Kulturdenkmals. Dabei konnten neben der Auswertung der erhaltenen Schriftquellen auch modernste luft- und lasergestützte Vermessungsverfahren und gezielte geophysikalische Untersuchungen realisiert werden.

Für die luftgestützte Photogrammetrie setzte ArcTron vor Ort ein mit entsprechender Technologie ausgestattetes ultraleichtes Gleitschirmtrike sowie eine neuentwickelte Octocopter-Drohne ein. Für die verlässliche messtechnische Zusammenführung aller erhobenen Daten kam schliesslich ein terrestrischer 3D-Scanner zusammen mit GPS und Totalstation zum Einsatz. Damit wurde nicht nur Ninfa selbst, sondern auch die nahe gelegene romanische Klosteranlage Abbazzia del Valviscolo und die nahe gelegene, ebenfalls von den „Caetani“ beherrschte, mittelalterliche Stadt „Sermoneta“ aus der Luft dokumentiert. Aufgrund der millimetergenauen Scandaten lassen sich Gebäude virtuell rekonstruieren. So könnte Ninfa – zumindest im Rechner – eines Tages wieder zum Leben erwachen und damit der Nachwelt erhalten bleiben.