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Technische Hinweise zum Verfahren

Mit der aktuellen Version von aSPECT3D/ 2012 ist es nun erstmals möglich auf einfache Art Punktewolken aus digitalen Bildsequenzen zu erstellen. Sie benötigen hierzu lediglich eine digitale Kamera und einen leistungsstarken Computer.
Der folgende Text gibt Ihnen wichtige technische Hinweise zum Verfahren.

Ablauf der Erzeugung von Punktewolken aus digitalen Bildsequenz

1.    Zu dokumentierendes Objekte vorbereiten
2.    Hinweise zur Digitalkamera und zu den Objektiven
3.    Erstellung von digitalen Bildern nach Fotografieranweisung (FA)
4.    Projektmanagement
5.    Hinweise zur Computerkonfiguration
6.    aSPECT 3D

1. Zu dokumentierendes Objekt vorbereiten

Stellen Sie sicher, dass Sie alle zu dokumentierenden Objektteile auch sehen können (ggf. Fahrzeuge vor Fassaden entfernen, Archäologische Objekte müssen geputzt sein etc.). Grundsätzlich wird dazu geraten, das zu dokumentierende Objekt eingehend zu begutachten und darauf basierend eine Strategie der fotografischen Aufnahme zu entwickeln. Besonders wichtig ist dies, bei Objekten, die eine gestaffelte Oberfläche (Vor- und Rücksprünge) besitzen. Dies kann beispielsweise eine Fassade sein, aus der ein Erker herausragt. Hier ist darauf zu achten, dass beispielsweise auch die Seitenflächen des Erkers mit mehreren fotografischen Aufnahmen dokumentiert sein müssen, um eine flächendeckende Punktewolke vom Objekt zu erhalten.

Ungeeignete oder eingeschränkt dokumentierbare Objekte
·    Objekte mit spiegelnden Oberflächen (Spiegelfassaden, poliertes Metall, spiegelnde Lackierungen)
·    Objekte, die einen sehr hohen Helligkeitskontrast aufweisen
·    Objekte mit großflächigen homogenen Bereichen (einfarbig gestrichene Wände etc.)
·    Objekte mit Hinter- und Unterschneidungen, die nicht fotografisch erfasst werden können
·    Objekte, die ein durch Wind bewegtes Schattenspiel aufweisen


Bitte bedenken Sie, dass die Punktewolken, die Sie mit aSPECT 3D erzeugen können zunächst weder skaliert noch georeferenziert sind. Um eine nachträgliche Skalierung unter aSPECT 3D zu realisieren müssen Sie an Ihrem Objekt eine Strecke messen oder eine ausreichende Anzahl von Passmarken anbringen. Sie können auch einen Maßstab bekannter Länge an Ihrem Objekt anbringen und mitfotografieren.
Idealerweise realisieren Sie die Vermessung der Passmarken mit einem Tachymeter. In einem übergeordneten System (Gauß-Krüger, etc.) eingemessene Passmarken ermöglichen es Ihnen zusätzlich die Punktewolke mittels einer Helmert-Transformation geografisch zu referenzieren.
Wählen Sie bitte Form, Farbe und Größe der Passmarken so, dass Sie sie auch gut in der Punktewolke wiedererkennen können. Besonders eignen sich farbige (rot, grün, blau), runde oder quadratische (Durchmesser zw. 1-10 cm, abhängig von der Objektgröße) Passmarken. Nicht geeignet sind reflektierende Passmarken.

2. Hinweise zur Kamera und zu den Objektiven

Zunächst muss festgehalten werden, dass man theoretisch jede Digitalkamera dazu benutzen kann Bildsequenzen für die Punktwolkengenerierung herzustellen. Die Kamera muss EXIF-Daten erzeugen und die Sensorgröße muss bekannt sein, da man die Sensorbreite (in mm) angeben muss.
Da wir aber die Kamera als Messsystem nutzen, ist es von Vorteil eine hochwertige Digitalkamera und vor allem hochwertige (lichtstarke, mit wenigen Linsenfehlern behaftete) Objektive zu verwenden. Von Vorteil sind Kameras, die einen großen Bildsensor besitzen, da diese Sensoren weniger zum Rauschen neigen.

Deshalb gilt: Je höher die Auflösung des Sensors und die Abbildungseigenschaften des Objektivs, desto mehr Strukturen können im Digitalbild abgebildet werden und desto differenzierter können Merkmale in den einzelnen Bildern erkannt werden. Die Qualität der fotografischen Aufnahme der Bildsequenzen steht also im direkten Zusammenhang mit der Qualität der aus diesen Daten berechenbaren Punktewolke.

Die gängigsten Kameras werden von unserem System automatisch erkannt. Die Kameradaten (Kameramodell und Breite des Sensors (in mm)) sind in einer editierbaren XML-Datei hinterlegt. Sollte unser System Ihre Kamera nicht erkennen, so können Sie die Kameradaten einfach in diese XML-Datei eintragen.

Die XML-Datei befindet sich am folgenden Ort: C:\ProgramData\Arctron\ATsfm
Die editierbare XML-Datei heißt: ccd.xml

Um ein in der Liste nicht vorhandenes Kameramodell einzufügen, kopieren Sie eine Zeile, editieren das Kameramodell und die Sensorbreite (in mm), und speichern dann die Datei wieder ab.

In dieser Datei können individuelle Kameramodelle hinterlegt werden.

3. Erstellung von digitalen Bildern nach Fotografieranweisung (FA)

Grundsätzlich müssen die von Ihnen erstellten Digitalbilder bestimmte Bedingungen erfüllen:

·    Die Aufnahmen müssen richtig belichtet sein.
·    Die Aufnahmen müssen einen hohen Schärfegrad besitzen.
·    Die Aufnahmen sollten einen hohen Schärfentiefebereich aufweisen, dieser wird über die Blendenöffnung gesteuert. Je kleiner die Blendenöffnung (große Blendenzahl) desto größer der Schärfentiefebereich. Vorteilhaft ist es hier die Blende vorzuwählen und die Kamera die entsprechende Belichtungszeit errechnen zu lassen (Hinweis: notfalls Stativ benutzen).
·    Die Aufnahmen müssen sich mindestens zu 80 % überlappen und aus verschiedenen Blickwinkeln heraus aufgenommen sein.
·    Blitzaufnahmen vermeiden, sie können in der Regel nicht zur Berechnung benutzt werden.
·    Über die Auflösung Ihrer Fotos können Sie die Detailauflösung Ihres Modells steuern. Je höher die Auflösung ihrer Bilder desto größer die Detailauflösung Ihres Modells.
·    ISO-Wert der Kamera möglichst niedrig halten um Rauschen zu verhindern.
·    Korrekten Weißabgleich verwenden, damit korrekte Farben erzeugt werden.
·    Verwenden Sie möglichst qualitativ hochwertige, lichtstarke Objektive.
·    Verwenden Sie möglichst Festbrennweiten und regeln Sie den Ausschnitt indem Sie sich beim Fotografieren zum Objekt hin oder vom Objekt weg bewegen.
·    Verwenden Sie keine extremen Weitwinkelobjektive (Grenzwert liegt bei 20 mm Brennweite).
·    Nehmen Sie nie zwei oder mehrere Bilder von einem identischen Standpunkt aus auf.

Faustregel:
Je mehr digitale Bilder Sie erstellen und zur Berechnung benutzen, desto mehr Features können erkannt und somit Punkte erzeugt werden.

Fotografieranweisung (FA)

Der folgende Text soll Ihnen eine Idee geben, wie Sie ein Objekt möglichst sinnvoll (im Hinblick auf die Generierung von Punktewolken) fotografisch aufnehmen. Die fotografische Aufnahme teilt sich zunächst in zwei große Bereiche:

1.    Erstellung einer Übersichtssequenz
2.    Erstellung einer oder mehrerer Detailsequenz(en)


Jedes Bild einer Sequenz muß von einem leicht veränderten Standpunkt aus erstellt werden.

In der Übersichtssequenz werden von einem entfernten Standpunkt aus zunächst eine Reihe sich überlappender digitaler Bilder erstellt.
Anschließend kann (wenn dies gewünscht wird) ausgehend von markanten Strukturen der Übersichtssequenz eine oder mehrer Detailsequenz fotografiert werden.

Bei Objekten, die umrundet werden können, empfiehlt es sich ein oder mehrere konzentrische Bildsequenzen um das Objekt herum zu fotografieren. Kleinere Objekte können hierzu auch auf einen Drehteller gestellt werden, die Kamera sollte dann auf einem Stativ fixiert sein. Nun kann der Drehteller pro Aufnahme wenige Grad gedreht werden.

Jedes Objekt bedarf einer individuellen Strategie zur Aufnahme der digitalen Bilder. Hier werden mit der Zeit auch Erfahrungswerte eine große Rolle spielen. In vielen Fällen wird man um Tests nicht herumkommen.

Beispiel 1: Fotografische Dokumentation eines Kleinobjekts

Bei der fotografischen Dokumentation von Kleinobjekten werden zunächst konzentrische Bildsequenzen erstellt.  Es empfiehlt sich mehrere konzentrische Bildsequenzen zu erstellen. Auch sollten einige Aufnahmen von oben (ggf. von unten) auf das Objekt (in einem spitzen Winkel) aufgenommen werden. Die Skalierung des Objekts kann später über eine gemessenen Strecke realisiert werden. Das Objekt kann auch auf einem Drehteller stehend dokumentiert werden, die Kamera sollte dann auf einem Stativ stehen.


Konzentrische Sequenz, Dokumentation eines Kleinobjekts

Abbildung:
Screenshot von aSPECT 3D 2012: Punktewolke eines Kleinobjekts (Maße ca. 140x25 mm) und positionierte Kameras im Raum (Zwei Konzentrische Sequenzen)

Projektdaten:
·    Kamera: Nikon D5100
·    Anzahl der Aufnahmen: 68
·    Brennweite: 40mm
·    Belichtungszeit: 1/2 sec.
·    Blende: F14
·    Bildgröße (je Bild): 4928x3264 Pixel
·    Speicherplatzbedarf (Digitalbilder): 227 MB
·    Punktewolke: 970.000
·    Speicherplatzbedarf des Gesamtprojekts: 3,33 GB

Beispiel 2: Fotografische Dokumentation einer Blockbergung

Bei der Aufnahme einer Blockbergung werden konzentrische Bildsequenzen erstellt. Es empfiehlt sich mehrere konzentrische Bildsequenzen zu erstellen, auch sollten einige Aufnahmen von oben auf das Objekt (in einem spitzen Winkel) aufgenommen werden. Zusätzlich sollten Passpunkte (Nägel mit farbigem Nagelkopf) im Planum eingebracht sein, über die die Punktewolke später skaliert werden kann.

Dokumentation einer Blockbergung

Beispiel 3: Fotografische Dokumentation einer Grabungsfläche

Bei der Aufnahme einer Grabungssituation ist es ratsam zunächst eine ganze Reihe an konzentrischen Sequenzen zu erstellen und dann wieder in Detailsequenzen überzugehen, wo eine Verdichtung von Punkten erwünscht ist.
Es ist darauf zu achten genügend Passpunkte in der Grabungsfläche zu verteilen (min. 6 Passpunkte), über die die Punktewolke später skaliert und ggf. georeferenziert werden kann. Die Passpunkte werden idealerweise mittels eines Tachymeters eingemessen, es ist aber auch denkbar die Skalierung der Punktewolke über eine gemessene Strecke zu realisieren.


Dokumentation einer archäologischen Grabungsfläche

Beispiel 4: Fotografische Dokumentation einer Fassade

Zunächst werden Übersichtssequenzen erstellt. Beruhend auf diesen Sequenzen erfolgt eine Verdichtung in definierten Bereichen über mehrere Detailsequenzen.

Abbildung:
Screenshot von aSPECT 3D 2012: Punktewolke einer Fassade mit Kamerapositionen im Raum.

Projektdaten:
·    Kamera: Nikon D5100
·    Anzahl der Aufnahmen: 52
·    Brennweite: 25mm
·    Belichtungszeit: 1/200 sec.
·    Blende: F7.1
·    Bildgröße (je Bild): 4928x3264 Pixel
·    Speicherplatzbedarf (Digitalbilder): 357 MB
·    Punktewolke: 3,2 mio.
·    Speicherplatzbedarf des Gesamtprojekts: 2,58 GB


Beispiel 5: Fotografische Dokumentation einer Unfallsituation

Bei der Aufnahme einer Unfallsituation ist es ratsam zunächst eine ganze Reihe an konzentrischen Sequenzen zu erstellen und dann wieder in Detailsequenzen über zu gehen, wo eine Verdichtung von Punkten erwünscht ist.
Es ist darauf zu achten genügend Passpunkte am zu dokumentierenden Objekt anzubringen, über die die Punktewolke später skaliert und ggf. georeferenziert werden kann. Die Passpunkte werden idealerweise mittels eines Tachymeters eingemessen. Denkbar ist aber auch das Anlegen eines definierten, orthogonalen Passpunktrasters oder das Messen einer Strecke zwischen sichtbaren Passpunkten.



Dokumentationsbeispiel Unfallanaylse

4. Projektmanagement

Die Erzeugung von Punktewolken aus digitalen Bildsequenzen generiert große Datenmengen in relativ kurzer Zeit. Deshalb sollte Sie sich frühzeitig um ein sinnvolles Datenmanagement und um Datensicherungsstrategien kümmern.
Zunächst sollten Sie einzelne Projektordner anlegen, in denen Sie die Bilder verwalten können. Bei den nachfolgenden Berechnungsprozessen werden automatisch weitere, relevante Ordner und Dateien in einer vorgegebene Struktur angelegt. Dadurch vervielfacht sich die ursprüngliche Ausgangsdatenmenge. Genügend Speicherresourcen sind daher unerlässlich.

Sobald Sie die Bilder überspielt haben, sollten Sie die Bilder bezüglich der oben gennanten Bedingungen (Schärfe, Belichtung, Überlappung, Vollständigkeit etc.) prüfen. Gegebenenfalls müssen Sie nun noch weitere Aufnahmen machen oder Sequenzen wiederholen.

5. Hinweise zur Computerkonfiguration

Zur Erstellung von Punktewolken aus digitalen Bildsequenzen benötigen Sie leistungsstarke Computerhardware. Die folgende Aufstellung einer Hardware-Konfiguration soll Ihnen als Anhaltspunkt dienen. 

Mindest-Konfiguration:

  • Intel-CHIP             (zwingende Voraussetzung)
  • CPU:                       Min. QuadCore
  • Grafikkarte:           NVIDIA (zwingende Voraussetzung (mit Fermi-Kernen, CUDA kompatibel))
  • Arbeitsspeicher:     Min. 8 GB
  • Festplatte:              Min. 1 TB


Mit dieser Konfiguration lassen sich Sequenzen von bis zu 50 Digitalbildern in einer annehmbaren Zeit rechnen.
Gerne beraten wir Sie hier und erstellen Ihnen eine auf Ihre Bedürfnisse abgestimmte Konfiguration. 
Die entsprechende Hardware können Sie über uns beziehen. 


Bitte beachten Sie, dass die Berechnung von Punktewolken unbedingt das Vorhandensein einer NVIDIA-Grafikkarte voraussetzt. Andere Funktionen von aSPECT3D/ sind von dieser Einschränkung nicht 
betroffen. Eines unserer Entwicklungsziele ist es, in naher Zukunft weitere Grafikkarten (auch anderer Hersteller) zu unterstützen. 


6. aSPECT 3D

Nachdem Sie die Fotos gesichtet und geprüft haben können Sie sie nun mittels aSPECT 3D zu einer Punktewolke berechnen lassen.

Bitte beachten Sie, dass die erzeugte Punktewolke weder skaliert, richtig ausgerichtet noch georeferenziert ist. Skalierung, Ausrichtung und Georeferenzierung kann mit aSPECT 3D in einem nachgängigen Bearbeitungsschritt realisiert werden. Für die Skalierung kann eine am Original gemessenen Strecke zwischen zwei Passpunkten (diskreten Punkten bspw. gut identifizierbare Objektpunkte) benutzt werden. Für die Ausrichtung und Georeferenzierung empfiehlt sich ein orthogonales Messraster, das in einem übergeordneten Vermessungssystem (Gauß-Krüger-System, UTM, usw.) eingehängt ist oder eine tachymetrische Vermesung von Punkten am Objekt.

Wie Sie das mit aSPECT 3D realisieren, können Sie sich in unserem Vimeo-Video-Kanal anschauen, dort sind mehrer Bildschirm-Videos über aSPECT 3D hinterlegt. Wir sind bemüht die Videos ständig zu aktualisieren und das Viedeo-Angebot stetig auszubauen:

vimeopro.com/arctron/aspect/


Weiter Informationen erhalten Sie auch unter:

www.arctron.de/de/produkte/software/aspect_3d/


Ihr Ansprechpartner:

Dipl. Ing. (FH) Dominik Westermann

Tel.: +49 9408 850118

dwestermann(at)arctron.de


Informationen

SFM Technische Voraussetzungen

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