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    Die hallstattzeitliche Siedlung mit Herrenhof von Enkering    


 

Der zentrale »Herrenhof« mit vielfältigen hallstattzeitlichen Baustrukturen

Insgesamt ist die Chronologie dieses Fundplatzes überaus komplex und bisher nur in Ansätzen ausgewertet. Sicher ist durch verschiedene Befundüberschneidungen und Detailbeobachtungen, dass im Befund mindestens drei Bauphasen auszuscheiden sind.

Enkering: Planausschnitt mit Befundübersicht im Bereich des zentralen Herrenhofes. Grün unterlegt: sichere oder wahrscheinliche Hausbefunde. Planausschnitt Enkering, Herrenhof (klicken Sie auf das Bild für eine vergrößerte Ansicht (29 kB)

In einer der letzten Phasen wurde der zentrale Herrenhof errichtet, der selber ebenfalls zweiphasig zu sein scheint.

Foto: Planum 1 (klicken Sie auf das Bild für eine vergrößerte Ansicht (34 kB)
Teilbereich von Planum 1

Im Plan zu sehen ist ein vierfach gestaffeltes System von Gräben und Pallisadengräbchen, aber auch nachgelagerten Pfostenstrukturen, die der Anlage schon zu einen deutlich erkennbaren Repräsentations- bzw. Wehrcharakter verhelfen.

Die annähernd quadratische Anlage, die mit ihrem äussersten Graben Seitenlängen von ca. 54 bzw. 58 m erreicht, ist fast genau Nord-Süd-ausgerichtet.

Der äussere Herrenhofgraben hat eine Breite im Planum von ca. 1,2-1,8 m, bei einer maximal erhaltenen Tiefe von ca. 70-80cm. Auf der Sohle des teils als Spitz- und teils als Sohlgraben ausgeführten Grabens findet sich eine ca. 10 cm dicke dunkelbraune bis schwarze humose Schicht, darüber verschiedene hellgrau-braune, lehmige Schichten, z.T. mit hellbraun-lehmigen Flecken. Die oberste dunkelbraune Verfüllschicht enthält nun wieder wie zu erwarten mehr Humusanteile.

Foto: Grabenprofil Foto: Grabenprofil
Zwei Grabenprofile des zentralen Herrenhofes

Der äussere Graben und das ansonsten ähnlich gestaffelte innere Graben- und Palisadensystem weist zur Zeit drei z.T. aber nicht mittig angeordnete Eingänge auf, die durch Grabenköpfe eindeutig nachgewiesen sind und alle Seiten des Herrenhofes betreffen. Man darf vermuten, dass sich auch auf der bisher nicht untersuchten Nordseite ein Eingang befunden haben dürfte.

Der zweite - also innere - Herrenhofgraben weist ähnlich wie der äussere im Planum 1,0-1,5m Breite auf, er ist aber deutlich tiefer bis 1,5 m in den Untergrund gegraben und meist als Spitzgraben ausgeführt. Hier fand sich auf der Grabensohle eine ca. 10 cm dicke, dunkelgraubraune humose Schicht, darüber eine graubraun lehmige, sehr fleckige Schicht. Diese war sehr unterschiedlich ausgeprägt und verfüllt.

In manchen Bereichen war die Schicht massiv mit Holzkohle und Hüttenlehmbändern durchzogen, teilweise auch mit grossen hellbraunen Lehmbrocken absichtlich verfüllt.

Foto: Grabenverfüllung
Teilweise Verfüllung der Gräben mit Steinlagen

Im nördlichen Bereich fanden sich grosse Steinplatten, sowie eine Schicht in der mehrere Karrenladungen Steine eingefüllt worden waren. Ausserdem kamen immer wieder flächige Keramikpflaster mit z.T. annähernd vollständigen Gefässen zu Tage.Im Befestigungssystem folgt auf diesen inneren Graben das erste der beiden hintereinander gestaffelten Pallisadengräbchen. Sie verlaufen parallel in ca.- 2,5 m Abstand zum innerem Graben und weisen ebenfalls Palisadenköpfe im Süden auf, die mit den Durchgängen von innerem und äusserem Graben korrespondieren. Teilbereiche dieser Palisadengräbchen waren nurmehr in Resten zu beobachten, andere waren aussergewöhnlich gut erhalten.

Detail der Pallisade. Unten im Bild die Palisadenpföstchen Foto: Palisadenreste (klicken Sie auf das Bild für eine vergrößerte Ansicht (34 kB)

Das gilt vor allen Dingen für die innerste Palisade, deren gesamte Innenseite von Pfosten begleitet wird, die allerdings durchweg das Gräbchen schneiden. Wichtig sind hier vor allem sehr detaillierte Beobachtungsmöglichkeiten zum Aufbau der Palisade, da sich in den Profilen z.T. die Struktur der Palisade selbst abzeichnet.

Hier sind erst noch weitere Analysen notwendig, doch zeigen etwa Beispiele aus der SO-Ecke in der auf einer Länge von ca. 2 m etwa 10 cm mächtige runde Pföstchen an der Unterkante des Gräbchens beobachtet wurden, dass sich hier der archäologische Befund so vielfältig wie bisher in keinem anderen Herrenhof erhalten hat. Es darf vermutet werden, dass in den Ecken also eine flechwandartige Pallisadenkonstruktion eingebracht war. In anderen Bereichen wurden eng an eng gesetzte stammähnliche Pfostenspuren dokumentiert, so dass die Pallisade hier eher wie ein massives Bollwerk zu rekonstruieren sein dürfte.

Foto: Herdbefund in situ
Herdbefund in situ

Kleinere Feuerstellen, Herde, Keramiksetzungen und die zahllosen z.T. auch recht fundreichen Abfallgruben, sowie die immer wieder auftauchenden Steinsetzungen lassen diese Siedlung zu einer der wichtigsten Neuentdeckungen für die hallstattzeitliche Siedlungsarchäologie werden. Doch wird hier erst noch viel Arbeit zu leisten sein, bis sich die komplexen Strukturen in ein durchgehend sinnvolles System einordnen lassen.

 

 


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